Donnerstag, 17. März 2011

2. International Abu Dhabi Triathlon 2011




Welcome to Abu Dhabi Triathlon 2011

Der Wecker hat verdammt früh geklingelt.
Erste Schwierigkeit ist zum Glück schon am Vorabend geklärt: Wir bringen unser Gepäck im eigenen Auto zum Flughafen und parken den Wagen dort für eine Woche. Kein Taxiunternehmen war bereit uns ein Großraumtaxi zu schicken, sondern lediglich einen Kombi, für 2 Radkoffer, zwei normale Koffer und zwei Fahrgäste. Angeblich ist die Ladefläche eines Mini-Van kleiner, als die eines Kombis. Nee, is klar.

Es ist Mittwoch morgen, nicht einmal 6 Uhr und wir stehen in der Schlange der Sicherheitskontrolle am Hamburger Flughafen. Unser Abenteuer beginnt.

Von Hamburg geht es über London/ Heathrow nach Abu Dhabi. Die gesamte Reisezeit beträgt 10 Stunden und wir hoffen, dass unser Gepäck auch mit uns den Weg in die Vereinigten Arabischen Emirate findet.
Der Flug von London nach Abu Dhabi ist recht unruhig, da das Flugzeug aber nicht ausgebucht ist, können wir den Platz nutzen, um uns ein wenig auszustrecken.
Nach der Landung geht es zur Immigration Control, wie so häufig, stehen wir in der Schlange, in der es am langsamsten voran geht. Es scheint, als hätte jeder vor uns irgendein Vermerk in seinem Ausweis, der vor der Einreise auf das Genaueste überprüft werden muss.
Die Kontrolle unsere Pässe geht zum Glück schnell. Ein Vorteil ist, dass unser Gepäck schon bereit liegt, als wir am baggage claim ankommen, inklusive unserer Radkoffer.
Wir sind komplett! Juhu.
Das Flughafengebäude ist eine riesige Baustelle, aber dank nahezu perfekter Ausschilderung finden wir den Taxenstand schnell. Unser Transportproblem wiederholt sich hier und wird durch weitere Passagiere mit Radkoffern noch verstärkt. Jedoch gibt es hier hilfsbereite Problemlöser. Alle Radkoffer-Reisenden werden in eine Extra-Reihe gestellt und auf die wenigen Großraumtaxis verteilt, die aus der ganzen Stadt organisiert werden.
Vordrängeln ist nicht möglich, derjenige, der die Fahrgäste auf die Taxen verteilt, hat die genaue Reihenfolge im Blick.
Unser Fahrer heißt Hamid und wird auch gleich für die Rückfahrt gebucht. Er ist offen und freundlich, erzählt uns einiges über die Stadt, den Triathlon und die Spritpreise in Abu Dhabi.

Es ist schon spät, als wir endlich unser Hotel, das Hilton Baynunah, erreichen.
Uns werden sofort Kaffee und Datteln angeboten, kurze Zeit später sind wir endlich in unserem Zimmer. Die Einrichtung hat ihre besten Jahre schon hinter sich, aber das Zimmer ist groß und sauber, allerdings ist das Bett klasse. Die Matratze genau richtig, die Decke kuschelig und die Kissen bequem. Ein Sportlerzimmer :o)
Der Room-Service liefert den Mitternachts-Snack, danach schlafen wir, wie Murmeltiere. Flugreisen und drei Stunden Zeitverschiebung sind eben doch anstrengend.

Donnerstag morgen, nach dem Frühstück wollen wir uns im Race Office registrien. Auf der Karte sind es nicht nach einer großen Entfernung aus und so machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum Khalidiya Palace. Das Wetter ist herrlich, die Sonne scheint und die Temperaturen liegen über 25 Grad.
Die Strecke ist länger als gedacht und neue Schuhe sind für einen solche Marsch nicht geeignet. Nach einer Stunde sind meine Füße auf und ich muss ohne Schuhe weiterlaufen. „Guter Plan“ zwei Tage vor dem Triathlon.

Am Abend geht es zum Race-Briefing mit anschließender Pasta-Party im Hiltonia Beach-Club. Die Stimmung ist schon beim Briefing toll. Dieser Triathlon ist etwas ganz besonderes.
Für ein wenig Verwirrung sorgt beim Briefing, dass auf dem Rad, die Regeln des Linksverkehrs einzuhalten sind, heißt, rechts wird überholt. In Abu Dhabi wird normalerweise im Rechtsverkehr gefahren, aber die Crew der Race Officers kommt aus GB, Australien und Südafrika.
Die Pasta-Party ist toll: Gemüselasagne, Reis und gut gewürztes Hühnchen, sowie Brötchen und Fladen, zum Dessert frisches Obst und Kaffee.

Am Freitag morgen lassen wir uns mit dem Taxi zum Schwimmtraining zum Privatstrand des Emirates Palace bringen, an dem einen Tag später auch das Rennen stattfinden wird.
Die Wassertemperatur ist im Neo angenehm und das Wasser klar.
Am Strand wimmelt es von Reportern, Kameraleuten und Photographen. Zwischen den Age Groupern tummeln sich auch ein paar Profis. Im Neo sind wir alle gleich.
Zurück im Hotel packen wir nach dem Frühstück unsere Race Bags ein und wieder aus und wieder ein. Ist auch ganz sicher alles drin? Ja, nein, weiß nicht.
Wir fahren mit den Rädern und unseren Bags zur Transition 1 direkt am Emirates Palace. Der Reifendruck wird auf 6,5 – 7 bar erhöht, mehr ist nicht sinnvoll, da für den Raceday 35 Grad erwartet werden und die Räder vorher schon einen Tag in der prallen Sonne stehen werden.
Die Stimmung in der Wechselzone knistert jetzt schon leicht. Die Profi-Räder werden von Presse und neugierigen Athleten beäugt. Auch mehrere Räder der Age Grouper Räder liegen jenseits der 5.000 € Grenze. Tri-Spokes, Scheiben, Zipp 808, TREK Speed Concept 9, Scott Plasma.

Wir gehen zu Fuß weiter zur Transition 2 an der Corniche und geben unsere Run Bags ab. Der Zielbereich wird aufgebaut.
Der Tag geht schnell vorbei und wir entscheiden uns dafür früh ins Bett zu gehen.

04:30 Uhr – Race Day
05:25 Uhr – das Taxi ist da
05:50 Uhr – Ankunft am Emirates Palace
Es ist noch dunkel, die Wechselzone ist in das gespenstische Licht der Flutlichtscheinwerfer getaucht, es herrscht reges Treiben, aber es ist trotzdem unglaublich still. Kaum jemand redet, jeder ist mit sich selbst und seiner eigenen Anspannung oder Aufregung beschäftigt.
Faris al-Sultan und Chris McCormack laufen sich neben mir warm, andere Pros dehnen oder konzentrieren sich.

Die Sonne geht langsam auf, der Start verzögert sich um 20 Minuten. Noch ist es recht kühl, so daß wir alle in unseren Neos rum laufen.

06:40 Uhr – Startschuß für die Profis. Wir haben noch Zeit und können zu sehen, wie sie durch das Wasser pflügen. Der Helikopter kreist über der Bucht und filmt.

07:10 Uhr – eigentlich unsere Startzeit, aber wir müssen, wie alle, etwas länger aushalten. Anspannung? Unglaublich hoch.

07:15 Uhr – wir dürfen in den Vorstart-Bereich. Einschwimmen? 50 m Wassergewöhnung ist kein Einschwimmen. Auch das Briefing dauert nur noch 1 Minute. Die hinteren orangenen Bojen sind zu Umschwimmen und dann wieder zurück. 1.5 km.

07:30 Uhr- Landstart. Alle laufen los. Der erste Stau entsteht schon vor dem Wassersaum, lockeres Jogging ins Wasser. Ich habe Platz und finde meinen Rhythmus. Nur nicht überpacen. Alle fünf Züge, Orientierung nach vorne, leichte Korrekturen sind immer wieder notwendig. Die erste Boje ist geschafft. Ich sehe Torben direkt neben mir. Bin ich so langsam, oder er doch wesentlich schneller als am Vortag?
Um die zweite Boje und es geht ,nach Hause'.
Aus dem Wasser und ich fange an zu taumeln, die Schwerkraft hat mich wieder. Nach wenigen Schritten erinnern sich meine Beine wieder an ihre Arbeit.

Im Wechselzelt muss ich meinen Bag auskippen und finde nichts wieder. Die Wechselzeit ist gruselig. Die Gels stecken im Hosenbein und der Helm auf dem Kopf, Startnummer? Check.

Weiter zum Rad. Bis zum Bike Mount falle ich fast dreimal über oder mit meinem Rad und verliere das erste Gel. Koordinativ bin ich nicht so richtig fit.
Endlich auf dem Rad trifft mich die volle Härte des Windes. Wind? Ja, Wind mit richtigen Sturmböen. Die Hochprofil-Felgen bieten eine gute Angriffsfläche und in Aeroposition ist das Rad kaum noch zu kontrollieren. Torben bremst seinen ersten Schwung mit dem Knie auf dem Asphalt nach ein paar hundert Metern, sicher will er nur auf mich warten...

Bald dreht die Strecke in den Gegenwind, noch vier Brücken mit drehenden Winden liegen auf den nächsten 40 km vor uns. Schatten? Fehlanzeige. Die Sonne brennt jetzt schon. Ich habe 3 Flaschen mit Magnesium und Elektrolyten versetztem Wasser dabei. Alle 10 km sind Versorgungsstationen auf der Strecke mit Wasser, Gatorade, Gels und Bananen.
Die Steigungen der Brücken und der Gegenwind zehren an den Kräften. Meine Blasen an den Füßen sind jetzt auf und gehen eine Verbindung mit meinen Radschuhen ein. Das brennt vielleicht. Nach 40 km geht es auf den Yas Marina Formel 1 Kurs, hier wurde Sebastian Vettel Weltmeister.
Ich darf hier eine Runde drehen. Ein Wahnsinnsgefühl!
Jetzt geht es wieder zurück. Endlich Rückenwind. Ohne den kühlenden Wind merke ich die Hitze. Bald ist es vorbei, doch erst geht es zum Corniche Turning Point. Die Wendemarke befindet sich direkt neben der Wechselzone zum Laufen. So nah und doch geht es nochmal mit dem Rad wieder zurück in Hitze und Wind.

Der letzte Wendepunkt ist erreicht. Jetzt geht es mit Rückenwind zur Wechselzone. Schuhe aus und auf den Schuhen die letzten Meter fahren. 100 km Rad sind geschafft.


Ich springe, nicht mehr wirklich schwungvoll, vom Rad und versuche die nächsten Meter mit dem Rad zu laufen. Es sieht vermutlich komisch aus, ich eiere und taumel ein wenig.
Schnell das Rad aufhängen und im Wechselzelt Socken, Schuhe und Triabolos-Laufcap anziehen.

Ich habe übelste Magenkrämpfe von den Gels und muss sehr langsam los laufen. Inzwischen sind die Temperaturen auf über 37 Grad gestiegen. Kurz hinter dem Laufstart bieten sie den Läufern Sonnencreme an. Ich habe etwas viel erwischt und sehe etwas merkwürdig aus, überall weiße Sonnencreme.

An jeder Aid Station versorge ich mich mit Wasser und Schwämmen, nur so kann ich meinen Körper runter kühlen. In meinen Schuhen steht das Wasser, aber langsam verschwinden meine Magenkrämpfe.
5 km sind am Flag Pole geschafft, Kraft ist noch jede Menge da, nur die Befürchtung, daß mein Kreislauf mir aufgrund der Hitze den Dienst verweigert, hält mich von einem höheren Tempo ab. Ankommen und zwar selbstständig und laufend ist die Devise.

Ich hatte mir eine Zielzeit unter 5 Stunden vorgenommen und ein Blick auf die Uhr zeigt mir, daß es knapp wird. Die letzten Kilometer erhöhe ich das Tempo und werde kurz vor der Zielgerade noch von einem Zuschauer begleitet, der mich anfeuert.


Da ist das Ziel. Es ist fast geschafft und ich habe noch mehr als 2 Minuten, um meine eigene Vorgabe zu erfüllen.

FINISH!!! Unter 5 Stunden.
Schatten, bitte.

Torben wartet schon auf mich. Sein Knie ist schon versorgt.
Wir sind beide glücklich und zufrieden.
Was für ein Erlebnis!!! Platz 36 gesamt und Platz 12 in meiner Altersklasse.

Wir holen nach einer kurzen Pause unsere Sachen und fahren ins Hotel. Duschen und Schlafen.
Am Abend gehen wir zur Prizing Ceremony mit Obst, Kaffee und Riesen-Cookies.

Ein wunderbares Event von Anfang bis Ende.

Die folgende zwei Tage haben wir zur Regeneration und zum Sideseeing genutzt. Abu Dhabi ist eine riesige Baustelle und im ständigen Wandel, aber faszinierend.
Mein Favourite: Die Marina Mall und die im Bau befindlichen Nation Towers.
Bye, bye Abu Dhabi





Kommentare:

  1. Wow...inspirierend!

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  2. Liebe Dani! Herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Leistung und zu diesem Bericht. Wenn ich das so lese werde ich wieder ein wenig traurig, aber vielleicht klappt es ja nächstes Jahr in Eigenregie!
    Also, tolle Leistung!
    Liebe Grüße
    Christin

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  3. Hey, toll geschrieben und vor allem so lebendig! Klasse! Gruß Sanni

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