Dienstag, 9. August 2011

Mein erster Irondistance-Triathlon OstseeMan 2011 :)


OstseeMan 2011
Ein Gedanke, jemand, der sagt, du schaffst es nicht und ein Dickschädel sind beste Voraussetzungen für einen Langdistanz-Start, für ein Finish reicht das leider nicht automatisch, ein wenig Training kann da hilfreich sein.

Konkret: OstseeMan: 3.8 km Schwimmen in der Ostsee, 180 km Rad mit welligem Profil und Wind und abschließend einen Marathon mit 5 Runden à 8,4 km durch Glücksburg, Steigungen, Gefälle, Kopfsteinpflaster und Sandwege inklusive.

Na gut, angemeldet für den OstseeMan habe ich mich bereits Ende 2010, doch eigentlich hatte ich vorgehabt mich wieder abzumelden, dann sagte jemand, dass ich das nach meinem ersten Triathlon-Jahr noch nicht schaffen würde und mein Ehrgeiz, das Gegenteil zu beweisen, war geweckt.

Da Aarhus erst einen Monat her war und das Wetter mir einen Strich durch die Trainingsrechnung machte, beschränkte ich mich auf lange Trainingsläufe, um zumindest für den Marathon vorbereitet zu sein. Zielzeit sollte nicht wichtig sein, sondern das Finish an sich. Hauptsache gut aussehen! :)

Unruhig und von Alpträumen geplagt verbrachte ich die vorangehenden Nächte, doch nun gab es kein zurück mehr. Zumal ich noch gute Tips von Sanni bekomme und Beeke mir gutzuredet. Danke, das hat mir echt geholfen.

Samstag 06.08. 7 Uhr morgens:
Noch 24 Stunden bis zum Start! Wir düsen auf der wunderbar freien Autobahn Richtung Glücksburg und je nördlicher wir kommen, desto besser wird das Wetter.
In Glücksburg lacht die Sonne. Wir laden schnell die Räder aus und wollen die Radstrecke einmal abfahren. In lockeren Tempo geht es auf die 30 km lange Strecke, die am Wettkampftag 6 mal zu befahren sein wird.
Der Anfang ist angenehm zu fahren, es ist flach oder geht leicht bergab. Noch müssen wir uns die Strasse mit den Autos teilen, morgen wird es, bis auf ein kleines, sehr wenig befahrenes Teilstück, anders sein.
Nach der kurzen Eingewöhnung geht es in einen leichten Ansteig, einen von der Sorte: „Verdammt, klemmt die Bremse?“, also kaum sicht-, dafür aber in den Beinen spürbar, hinterhältig, so was. Danach dürfen wir aber wieder zur Belohnung die Beine hochnehmen und gemütlich rollen, um dann in den längsten Anstieg der Radstrecke zu kommen, ihn zu unterschätzen, rächt sich. Nach dem Verlassen der Landstrasse windet sich die Strecke kurvenreich durch einen kleinen Ort. Außerorts geht es wellig weiter. Flach ist der Kurs definitiv nicht. Und wenn an einigen Stellen ,Vorsicht, scharfe Kurve!'steht, dann stimmt das bisweilen auch.

Was soll ich sagen, mir gefällt der Kurs und selbst der Gedanke, das Ganze sechsmal zu durchfahren, ist auch nicht mehr so schlimm.
Trotz drohender Regenwolken kommen wir trocken am Auto wieder an. Natürlich haben wir KEINE Regenjacken am Rad gehabt, sind ja nur 30 Kilometer.

Nach den ganzen Besichtigungen geht es zum Waldschulheim, wo wir mit anderen Triabolos, dank Britta J.'s Super-Orga nächtigen werden.

Das obligatorische Carbo-Loading wollen wir mit ca. 10 Leuten in einem örtlichen Restaurant einnehmen. Der Weg dahin ist schon lustig, da unser erster ,Lotse' nur einen Teil des Weges kennt und genau diesen Umstand keiner weiß. Kaum ist das geklärt, navigieren wir mittels moderner Technik zum Ziel, nicht unbedingt auf dem direkten Weg, dafür aber mit bester Stimmung.

Wir finden einen Tisch, an den wir alle passen und entscheiden uns doch recht schnell für unsere Bestellungen, trotz der Größe der Gruppe. Klasse Voraussetzungen für einen schönen Pre-Wettkampf-Abend. Wenn, ja, … oder besser, wenn nicht... Also, kurz gesagt, das Essen ist nach 1 ½ Stunden nicht einmal bei der Küche in Auftrag gegeben worden. Ein Haufen Triathleten mit knurrendem Magen einen Tag vor einer Langdistanz sind nach der Zeit nicht mehr so ganz geduldig und so wird ruhig und aber bestimmt um Abrechnung der Getränke gebeten und wir gehen in den benachbarten Supermarkt und bemühen uns um Selbstversorgung.
Auf direktem Weg geht es nun wieder zurück ins Waldschulheim, denn neben Nahrung benötigen wir auch unseren Schönheitsschlaf. Dennoch wird es ein lustiger Abend.

Sonntag 07.08.

ca. 01:18 Uhr:
Laute Regengeräusche wecken mich. Es kübelt. Ich falle wieder in unruhigen Schlaf.

04:30 Uhr:
Mein Wecker klingelt. Ich versuche so leise, wie möglich, aufzustehen, da die anderen noch 30 min länger schlafen wollen.

05:30 Uhr:
Nach kurzem und kargen Frühstück geht es zum Start, bzw. zur Wechselzone. Es hat über Nacht ordentlich geschüttet und alles ist nass. Der Wind scheint die Regenwolken vertrieben zu haben, doch er selbst ist geblieben und verwandelt die Ostsee von ihrem gestriegen ,Ententeich'-Dasein in etwas unruhiges Gewässer.

06:00 Uhr:
Schnell zum Bodymarking und die Zeit bis zum Start vergeht wieder, wie im Flug. Meine Anspannung steigt.

06:30 Uhr: Wir stehen mit fast 1.000 anderen Triathleten am Strand und warten auf den Startschuß. Die Anspannung ist greifbar und der Wind frischt pünktlich zum Startcountdown auf.

07:00 Uhr: Der Start! Die vorderen Reihen rennen ins Wasser. Ich gehe. Ich weiß, dass ich noch 2 Runden à 1.9 km vor mir habe und dabei genügend Kraft lassen kann, also locker bleiben, auch, wenn das Adrenalin kocht. Trotzdem ist die Ostsee immernoch eine Waschmaschine, als ich zu kraulen beginne.
Der Weg zur ersten Wendeboje ist lang und aufgrund des zunehmenden Seegangs auch nicht so richtig zu erkennen. Noch ist es jedoch recht moderat zu schwimmen.
Die erste Boje kommt in Sicht, wieder mal viel weiter links als erwartet. Rum um die Boje und... weiter? Die Strömung und der Wellengang geben mir das Gefühl gar nicht mehr vom Fleck zu kommen. An Brustschwimmen ist nicht zu denken, nur mit Kraulen ist der Rhythmus der Wellen zu halten. Welle, eintauchen, Armzug, atmen, Welle, eintauchen, Armzug, orientieren. Die Orientierung funktioniert am besten auf den Wellenkämmen, da ich in den Täler kaum andere Schwimmer sehe, geschweige denn, irgendwelche Bojen. Locker bleiben, Rhythmus halten, wenn möglich, Wasserschatten nutzen. Die nächste Boje ist geschafft. Ab und an habe ich Salzwasser im Mund, das bleibt nicht aus, aber geschluckt habe ich zum Glück nichts.
Jetzt geht es auf den Yachthafen und damit auf die dritte Boje zu. Ich habe einen passablen Wasserschattengeber und lass mich mitziehen. An der Boje treffe ich Torben wieder. Ein Stück schwimmen wir gemeinsam, dann verlieren wir uns aus den Augen. Die erste Runde ist geschafft. Gefühlt liege ich weit hinter meiner geplanten Zeit und befürchte, dass ich über das Zeitlimit komme. Klasse, 3.8 km Schwimmen für nichts?
Aufgeben ist nicht, weitergeht es auf der zweiten Runde.

Mitte zweite Runde ist er da, der Wadenkrampf und der tut weh!!! Ruhig bleiben, Wade massieren und warten bis der Krampf weg ist, langsam weiter kraulen.
Boje zwei und drei auch auf der zweiten Runde abgehakt und jetzt geht es auf dem direktem Weg zum Strand und damit in die Wechselzone. Ich habe wieder Boden unten den Füssen und frage auf dem Weg aus dem Wasser noch einen Helfer, wie lange ich denn nun gebraucht habe. Seine Antwort beruhigt mich, ich bin noch weit hinter der Cut-off-Zeit.
Ich taumel Richtung Wechselzone und komme mal wieder nicht aus meinem Neo. Irgendwie klappt es dann doch und ich nehme lediglich Sonnenbrille und Schuhe aus dem Wechselbeutel und eiere zum Rad. Helm auf, Startnummer um und losgeht es.
Ich habe mir vorgenommen immer unter 220 Watt Tretleistung zu bleiben, um mir die Beine für den abschließenden Marathon nicht jetzt schon dichtzufahren. Zwar muss ich so einige in den Anstiegen ziehen lassen, aber die Vernunft siegt. Ich habe ein gutes Gefühl, bis... bis ich eine scharfe Kurve für weniger scharf halte, als sie ist. Was soll ich sagen... statt Kurve, fahre ich geradeaus in die Botanik. Dumm gelaufen, bzw. gefahren.
Aber Mensch und Maschine sind intakt, wenn auch ein wenig gedemütigt und es geht weiter. Der Wind wird stärker und kommt zumeist von der Seite, manchmal ist es über Kilometer für mich nicht möglich auf den Auflagen zu fahren.
In der zweiten Runde bemerke ich, dass etwas mit meinem Lenker nicht stimmen kann, da ich eine ,Bergablage' habe, auch, wenn es nicht bergab geht. Schnell rechts ran. Die Aerobottle ist bereits vom Vorderrad durchgescheuert und läuft aus.
Um an die Schrauben des Lenkers zu kommen, die ich im Verdacht habe, muss ich die Halterung der Flasche entfernen. Sehr schön, hatte ich sie doch extra mit Kabelbindern zusätzlich befestigt, damit es auch sicher hält. Also, wo rohe Kräfte sinnlos walten... weg damit. Doch die Schrauben sitzen fest. Ich komme nicht dahinter, wo das Problem liegt und so muss die Notlösung her, die zu unrech verdächtigten Schrauben lösen, Lenker wieder in die Horizontale, vorsichtig weiter und hoffen, das es hält.
In Holnis, dem Wendepunktabschnitt, sehe ich Torben mit Reifenpanne am Rand, also rum um den Wendepunkt und hin da. Unter nur wenig Gejammere: Buhuuu, alles kaputt, warum jetzt und hier..., schildere ich mein Problem. Lösung: Der Vorbau!, der ist mit zwei Schrauben verstellbar und eine davon greift nicht mehr richtig. Mistekiste! Also, nochmal Gewaltanwendung, Lenker in Position und Schraube mit Maximalkraft festknacken. Ob es hält? Das steht in den Sternen und das ungute Gefühl fährt nun weiter mit. Großes Kino, zumal ich aufgrund des Windes den Lenker teilsweise ordentlich festhalten muss, dass mir das Rad nicht abhaut.
Also geht es jetzt mit angezogener Handbremse weiter. Auch geht nur noch um das Finish innerhalb der Zeitgrenze.
Ich bin auf der dritte Runde und fahre wieder an Torben vorbei, doch jetzt ist auch seine Panne behoben und er kann nach 1:30 h Wartezeit wieder auf die Strecke und hat damit 1 Runde Rückstand auf mich. Wir verabreden uns für die Laufstrecke und er düst los. Versehentlich habe ich ihm die falsche Cut-off-Zeit genannt, eigentlich hätte er mehr Zeit... Ups.

Auch die sechste Runde ist geschafft, nun geht es nach einiger Sockenverwirrung, ich bin ganz sicher beide Socken aus dem Beutel genommen zu haben auf die Laufstrecke.
Es klappt erstaunlich gut und ich finde meinen Rhythmus. Die Laufstrecke ist abwechslungsreich. Asphalt, unebener Sandboden mit ,Gegenverkehr' und Anstiege, sowie Kopfsteinpflasterabschnitte. Die Strecke verlangt Konzentration und zwar über weite Abschnitte.
In der zweiten Runde sehe ich Torben und ab der dritten Runde laufen wir zusammen.
Abgesehn von wirklich nur ganz kurzen Gehpausen und zeitweiligen Magenkrämpfen kann ich meinen allerersten Marathon tatsächlich genießen und allen Supportern ein gequältes Gesicht ersparen, sondern mich mit ihnen freuen und mich voranpeitschen lassen.
Leute, ihr seid großartig!
Auch die Glückburger supporten fleißig und ausdauernd.
Nach 5 Runden bzw. 42.195km kommen wir gemeinsam ins Ziel. Unser erster Marathon, unser erster OstseeMan und unsere erste Irondistance und wir habe es gemeinsam geschafft!


Ich bin stolz auf dich. Danke für alles.











1 Kommentar:

  1. Sehr schön...

    Schöne Grüße aus Bremen,
    Thomas.

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