Donnerstag, 17. Mai 2012

Mallorca, Alcudia, ein halber Ironman und eine Mandelkuchen-Cappuccino-Runde


Mallorca ist im Frühjahr die Insel der Radfahrer, im Sommer der Ballermann-Touristen und im Mai, die der Triathleten.
Der anstehende Ironman 70.3 Alcudia war es nun auch, der mich auf die Insel führte. Ich kannte die Insel bisher nur von der Landkarte und wusste daher auch nicht wirklich, was mich erwarten würde. So planten wir zumindest eine Akklimatisierung von 3 Tagen bis zum Wettkampf mit ein.
Mittwoch um 2 Uhr beendete der Wecker die Nacht und wir machten uns auf den Weg zum Flughafen. Mit etwas Verspätung starteten wir dann um kurz nach 6 Uhr Richtung Palma. Die Müdigkeit überrollte mich quasi schon kurz nach dem Start, so dass mir der Flug nicht zu lang erschien.
Am Flughafen in Palma fanden wir dann auch nach kurzer Suche unseren Busfahrer, der unsere Radkoffer in einen Anhänger verlud. Zumindest mein Radkoffer veränderte seine Lage von vertikal auf horizontal während der Fahrt, bei der wir nahezu jedes Schlagloch auf dem Weg nach Alcudia kennenlernen durften, dafür verbummelte der Fahrer dann auch nicht viel Zeit mit Bremsen und Kurven wurden gerne auch mal ordentlich geschnitten. Mir wurde schon ein wenig flau im Magen, zumal wir in der letzten Reihe sitzend, auch freien Blick auf den Anhänger mit unseren Radkoffern hatten, der fröhlich hinter uns her hüpfte.

Wir hatten das Blue Bay Resort als Unterkunft und Basis für die nächsten Tage gebucht und so wartete ein kleiner Bungalow auf uns. Kaum angekommen wurden die Radkoffer ausgepackt und die Räder aufgebaut. Die Wettkampfstrecke sollte inspiziert werden.


Von Ca'n Picafort fuhren wir neben der Strasse nach Playa de Muro und schlängelten uns dort durch Mietwagenfahrer- und Touristenmassen bis nach Port d'Alcudia. Ab Port d'Alcudia war die Wettkampfstrecke schon ausgeschildert.
Von Port d'Alcudia ging schon recht bald nach der Wechselzone eine kleine Rampe hoch, dann über Alcudia am Meer entlang nach Port Pollenca und dann ins Landesinnere Richtung Pollenca. Bis dahin war die Strecke, abgesehen vom Autoverkehr, relativ angenehm zu fahren. Höchstens der Seitenwind auf der Küstenstrasse könnte ein wenig Ärger machen.
Wir liessen Pollenca links liegen und folgten der Strasse zum Kloster Lluc bzw. zum Coll de Femenia. Der leichte Rückenwind schob uns die Strasse entlang. Dass die Strasse schon leicht bergan ging, zeigte uns nur die steigende Wattzahl bei gleichbleibender Geschwindigkeit. Als es nicht mehr zu übersehen war, wies auch ein Schild darauf hin, dass wir bergan fahren würden. Es gibt Informationen, die ich nicht zwingend vorher benötige und in diese Kategorie gehörte auch die des Schildes: 7,7 km mit durchschnittlich 5,5% Steigung! Mit einem Rennrad und einer Bergübersetzung bestimmt ganz nett zu fahren, blöd nur, dass wir auf Zeitfahrrädern saßen und ganz normale Flachlandtiroler-Übersetzung fuhren. Was soll's, wir hatten es so gewollt.
Brav dem Diktat der SRM folgend, kurbelte ich mit gerade noch zweistelliger Geschwindigkeit (kann man da noch von Geschwindigkeit sprechen?) den Berg hoch. Glücklicherweise hatte wir ja die Mittagszeit für unseren Start gewählt, so dass wir nicht frieren mussten. Der niegelnagelneue Asphalt hatte sich auf gefühlte 70 Grad aufgeheizt und die Lufttemperatur betrug nachgewiesene 30 Grad. Kühlender Fahrtwind ist bei dem Tempo auch nicht vorhanden, so dass ich über jeden kleinen Schattenspender glücklich war, nur leider gab es davon auf unserer Auffahrtseite nicht so viele, dafür aber Schafe, Ziegen, Esel und diverse wunderschöne Postkartenpanorama des Tramuntana Gebirges.
Nach einer gefühlten Ewigkeit hatten wir den Coll errreicht, von da aus ging es in Wellen weiter Richtung Kloster Lluc. Eine schnelle Abfahrt mit gut einsehbaren Kurven führte uns dann zu einer Kreuzung und zum Coll de Sa Bataia, also wieder rauf, diesmal allerdings relativ kurz und vor allem im Schatten. Kurz vor Ende des Anstieges meldeten sich unsere Mägen, was nicht weiter verwunderlich war, da wir ausser dem mäßig leckeren Flugzeugsandwich nichts gegessen hatten. So kehrten wir im nächstgelegenen Restaurant ein und kamen in den Genuß eines unglaublich leckeren Boccadillos. Der Besitzer des Ladens war sehr nett und schenkte uns noch eine Flasche Wasser, damit wir unsere Bestände auffüllen konnten und wünschte uns viel Glück für den halben Ironman.
Nun begann die Abfahrt nach Caimari. Ich bin nicht gerade das, was man einen begnadeten Abfahrer nennt und bin entsprechend vorsichtig gefahren. Meine 'Berg-Erfahrung' beschränkte sich auf den Harz und Fuerteventura und somit waren die Serpentinen für mich Neuland.
Nach der langen Bergabfahrt und schmerzenden Händen ging es von Caimari nach Selva und von dort aus nach Inca. In Inca verlor ich noch eine meiner Radflaschen, da ich ein Schlagloch übersehen hatte, von denen einige den Weg säumten. Die Strecke führte nun parallel zur Autobahn in Richtung Campanet und ließ uns am ersten Kreisel auf eine kleine Straße abbiegen, die ganz malerisch in Orangen- und Olivenhainen gelegen in grobe Richtung Muro führte. Doch aus den Hainen heraus, durften wir erstmal in die entgegengesetzte Richtung fahren. Nach einigen Kilometern dann der Wendepunkt, also 180 Grad U-Turn und zurück nach Muro. In Muro hatten wir dann keine Lust mehr der Strecke zu folgen und fuhren direkt nach Ca'n Picanfort, zumal wir auch ungünstigerweise der Hauptstrasse gefolgt waren und mehrfach kurz vor dem Sprung in den Strassengraben waren, weil entgegenkommende Autofahrer unsere Straßenseite einfach mal mitbenutzten.
Etwas entnervt und ein wenig gar gekocht kamen wir dann nach den ersten 110 mallorquinischen Kilometern doch noch heil am Hotel an.
Am Abend trafen wir dann Sanni und Henning, sowie deren Überraschungsbesuch Maren und Marc und lernten auch Elli kennen. So konnte ein schöner Urlaub beginnen.
Für Donnerstag stand wieder die Radstrecke und zusätzlich noch Freiwasser-Training auf dem Plan. Diesmal fuhren wir die komplette Strecke ab und ich konnte die Abfahrt schon etwas zügiger fahren, auch wenn uns diesmal jede Menge Radtouristen in Dreier- bis Vierer-Reihen nebeneinander entgegen kamen und diese dann auch noch von Autos überholt wurden. Der Wind hatte diesmal gedreht und wir fuhren nun mit Gegenwind in den Berg. Die Temperaturen waren wieder auf über 30 Grad gestiegen.
Diesmal hatten wir 120 km auf dem Tacho. Zurück im Bungalow gab es dann selbstgemachte Boccadillos und Spanisches Omelette. Nach kurzer Pause schnappten wir uns unsere Neos und gingen zum Meer. Mit etwas Mühe kam ich in meinen neuen Neo und wir konnten losschwimmen. Ich fand keinen Rhythmus und irgendwie lief es nicht, aber Schwimmen war ja auch nicht meine stärkste Disziplin.
Freitag, oder auch, der Tag vorher. Elli's Freund Christoph war gerade angekommen und gegen späten Vormittag fuhren wir mit dem Bus nach Port d'Alcudia, um unsere Startunterlagen abzuholen und uns die Wettkampfbesprechung anzuhören. Die Wettkampfbesprechung sollte am Strand stattfinden, hier trafen wir auch Nic, Matthias und Stephan, jedoch hatten die Veranstalter offensichtlich das Wetter (Sonne, keine Wolke und über 30 Grad) unterschätzt, da es kaum Plätze im Schatten gab und die Besprechung 1:30 Stunden dauern sollte.
Ein Sonnenstich blieb uns zum Glück erspart.
Gegen frühen Abend wollten wir unsere Räder einchecken und fuhren mit gepackten Wettkampfbeuteln von Ca'n Picanfort nach Port d'Alcudia. Wir Mädels mussten unsere Räder ziemlich am Anfang der Wechselzone abstellen, so dass wir mit Rad fast die ganze Wechselzone durchlaufen mussten. Die Wechselzone war annähernd so lang, wie beim Hamburg Triathlon, also verdammt lang.
Beim Einrichten meines Platzes knallte ich ungeschickterweise auch noch mit dem Kopf gegen die Aufhängung für die Räder und sorgte bei den Umstehenden für Belustigung und bei mir für eine Beule. Auch war es bei meinen Laufrädern nicht möglich ein wenig Luft rauszulassen, damit sie nicht platzen. Das war schonmal ein interessanter Auftakt...
Der Abend war kurz, aber lustig und der Morgen begann mit Frühstück um 5 Uhr.
6:30 Uhr fuhr unser Bus direkt zur Wechselzone. Mein Rad war zum Glück okay. Ich zog schon früh meinen Neo halb an, um nicht in Stress zu geraten. Wie immer verging die Zeit schnell, so dass Elli, Sanni und ich schon bald in den Vorstartbereich mussten.

Meine Schwimmbrille beschlug immer wieder und ich hoffte, dass es endlich losgehen würde.
Als es dann los ging, startete ich aus der dritten Reihe, wobei ich eigentlich davon ausgegangen war, dass es hier friedlich ablief. Welch ein Trugschluß. Kaum im Wasser ging das Hauen und Stechen schon los. Tritte, Schläge und Rempeleien begleiteten mich auf den ersten paar Metern. Ich fand einfach meinen Rhythmus nicht. Mit der Orientierung klappte es auch irgendwie überhaupt nicht, so dass ich im fröhlichen Zick-Zack-Kurs die 1,9 Kilometer (man munkelte, es seien mehr, da selbst die Pros 2 min mehr brauchten, als im letzten Jahr) hinter mich brachte.

 Wieder festen Boden unter den Füssen ging es zum Rad. Nach einigen Kilometern auf dem Rad bekam ich Muskelschmerzen und musste etwas zurücknehmen. Der Anstieg lief wie erwartet und ich hielt mich an meine Watt-Vorgabe. Bei irgendeinem Schlagloch, das ich nicht umkurvt hatte, verabschiedete sich dann ein Teil meiner am vorherigen Tag neu erworbene Luftpumpe, den nutzlosen Rest feuerte ich frustriert in die Büsche. Jetzt musste ich zwangsläufig die restlichen ca. 55 km defektfrei hinter mich bringen, sonst würde ein langer Fußmarsch anstehen. Die Abfahrt ging ich genauso ruhig an, wie ich es geplant hatte. Die Kilometerangaben waren nur sehr spärlich, so wusste ich nicht sicher, wie viel ich noch zu fahren hatte. Ich merkte nur, dass es immer wärmer wurde.

Endlich kam Port d'Alcudia in Sicht und bald auch die Wechselzone. Die letzten Meter fuhr ich auf den Schuhen und sprang beinahe punktgenau auf der Grenz-Linie zur Wechselzone ab. Kein Defekt, durchatmen und weiter. Nachdem ich mein Rad abgestellt und mit meinen Laufsachen im Wechselzelt saß, fiel mir auf, dass ich vergessen hatte die Locklaces in die Schuhe zu ziehen und musste erstmal die Schuhe aufknoten und dann wieder zu binden. Na toll. Außerdem hatte ich vergessen die Saltsticks in den Laufbeutel zu packen. Ich lief los, was sollte auch passieren... Langsam angehen und nicht gleich überpacen. Die Laufstrecke führte an der Strandpromenade entlang, was leider auch bedeutete, dass die Bodenverhältnisse nicht ganz optimal und die Stolpergefahr erhöht waren. Weite Teile der Strecke waren nahezu schattenfrei und die Temperatur auf über 30 Grad gestiegen.
Kurz nach der zweiten Verpflegung begannen die Seitenstechen, die mich dazu zwangen über eine längere Strecke der ersten von drei Runden à 7 km zu gehen. Ich überlegte, ob ich aufhören soll, aber andererseits war für mich der Wettkampf, wenn auch nur als Training, nur dann komplett, wenn ich auch den Halbmarathon bis zum Ende laufe. 

Nachdem die Seitenstechen dann doch endlich verschwanden, lief es auch. Zumindest weiß ich für mich, wie schnell ich die anderen beiden Runden gelaufen bin. Leider gab es zusätzlich immer wieder Nachschubverzögerung an den Verpflegungen, so dass sich hier teilweise Schlangen bildeten, weil die Helfer nicht rechtzeitig Wasser nachfüllen konnten. Und in der letzten Runde passierte das, was noch fehlte: Mein Schnürsenkel ging auf. Zum Glück fiel mir das auf, bevor ich oder jemand anders drauftrat und ersparte mir den peinlichen Auftritt des Segelflugs in die Horizontale. Zubinden und weiter.
Nach den drei Runden durfte ich endlich auf die Zielstrecke abbiegen, die kurz über den Strand und dann über eine Brücke führte, danach lief ich noch eine gefühlte Ewigkeit dem Ziel entgegen.
Ich war mit meinem Ergebnis nicht zufrieden und so konnte ich mich auch nicht darüber freuen, dass ich im Ziel angekommen war.


Nach Finisher-Medallie und -T-Shirt hielten wir uns nicht lange im Athletes Garden auf, da die Verpflegung hier eher spärlich war.
Wir waren alle müde und so wurde der Abend nur kurz.


Am nächsten Morgen starteten wir alle, außer Marc, zu einer gemeinsamen Cappuccino-Runde mit den Rädern. Unser Ziel sollte der Marktplatz von Petra inkl. Mandelkuchen werden. Wir legten einen kleinen Zwischenstop auf der Radrennbahn in Sineu ein, um ein paar Runden zu drehen und einen Café con leche zu trinken. So gestärkt ging die Reise nach Petra, wie von selbst.
Nach dem leckeren Kuchen und Café und Wasser ging es über das 'Wellblech' zurück nach Ca'n Picanfort. Eine super schöne Tour.

Am Montag starteten Torben und ich noch zu einer Abschlußtour. Wir fuhren noch ein letztes Mal die Wettkampfstrecke ab.
Gegen 17 Uhr sollten wir im Hotel abgeholt werden und alle waren da, um uns zu verabschieden. Das war schön!
Alles in allem waren es ein paar sehr schöne Tage auf Mallorca.

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