Dienstag, 12. Juni 2012

Challenge Kraichgau 2012 – Die einzig wahre EM :)


In diesem Jahr soll die Europameisterschaft auf der Triathlon Mitteldistanz im Rahmen der Challenge Kraichgau ausgetragen werden und ich bin dabei.
Eigentlich war das so nicht geplant, da ich mich angemeldet habe, bevor die Entscheidung der ETU (Europäischen Triathlon Union) fiel, die Challenge zur EM zu machen.
Nun, die Strecken bleiben trotz EM die gleichen, daher machte es für mich keinen Unterschied. Wobei es schon cool klingt: 'Ich bin bei der EM gestartet'... :)

In diesem Jahr habe ich die Reiseplanung übernommen und so haben wir uns entschieden, nicht an der Vereinsbusfahrt teilzunehmen, wir werden schließlich nicht jünger und Komfort ist nach so einem Wettkampf nicht nur angenehm.
Freitag:
Flug von Hamburg nach Stuttgart und dann mit dem Mietwagen zum Hotel.
Bis auf einen kleinen Aufreger bei der Autovermietung, bei der uns die junge Dame eine nichtgebuchte Vollkasko ohne SB für 100€ Aufpreis unterjubeln will, läuft alles glatt.

Kaum im Hotel angekommen werden die Räder aufgebaut, die Strecke will noch einmal getestet werden. Klar könnten wir die Strecke auch mit dem Auto abfahren, doch die kleinen fiesen Anstiege Marke ,Klemmt die Bremse, oder geht es hier doch hoch?', sind da gar nicht zu bemerken.

Also, ab aufs Rad und erstmal 10 km nach Bad Schönborn fahren. Wir treffen auf Radwege, die im Strassengraben oder auch auf Schotter enden und sind nur mäßig begeistert von der mangelnden Rücksichtnahme der Autofahrer.


Ab Bad Schönborn, dem Wettkampfzielort und eigentlich auch -zentrum, ist die Radstrecke dann ausgeschildert, so dass die Fahrt beginnen kann. Die Radstrecke geht über 90 km mit ca. 1000 Hm verteilt auf mehrere Anstiege unterschiedlicher Kategorie, vom langgezogenen 5 %, bis zur 15 % Rampe. Oft entschädigt eine lange Abfahrt für die Mühe des Anstiegs und gibt die Möglichkeit zumindest einen Teil des Laktats wieder loszuwerden. Heute quält uns noch ein wenig der Seitenwind, aber der strahlende Sonnenschein macht das wieder wett, zumal wir, wie geplant die Runde locker fahren. Einzig einige Autofahrer, die mit gefühlten 200 km/h und einem Seitenabstand von nicht mehr als 1 m an uns vorbei donnern, mindern das Wohlgefühl und jagen den Puls kurzfristig in die Höhe.

Zurück im Hotel beeilen wir uns, da wir noch unsere Startunterlagen abholen wollen und langsam unsere Mägen dringend nach Nahrung verlangen. Eine gummi-artige Laugenstange im Flugzeug und eine Brezel vom Bäcker sind nach knapp 100 km Rad einfach zu wenig.

Nach Anmeldung, lecker Futter und der Besorgung eines,Notfall-Pakets' (Naschi, Wasser, Cola und Salzstangen) bei Rewe kehren wir ins Hotel zurück. Der Tag neigt sich dem Ende und wir planen nunmehr das Innere unserer Augenlider zu betrachten und der Tiefenentspannung zu frönen, kurz Bubu genannt.

Samstag oder auch 'der Tag davor':
Wir frühstücken gemütlich und wollen die Radstrecke nochmal mit dem Auto abfahren, um einen genauen Überblick über die Gefahrenstellen zu bekommen.
Nach unserer Runde pilgern wir noch über die Triathlon-Messe, nicht um zu kaufen, sondern nur um Bekannte und Freunde zu treffen und zu gucken, ob es nicht doch etwas Neues oder ein Schnäppchen gibt. Auf der Messe treffen wir dann auch Beeke, die ihre erste Mitteldistanz vor sich hat und ordentlich aufgeregt ist.
Wir verabreden uns mit ihr gegen 16 Uhr zum Rad Check-In.
Nach einem kurzen Snack vertrödeln wir die Zeit im Hotel und plötzlich muss wieder alles schnell gehen, damit wir es noch pünktlich zum verabredeten Zeit- und Treffpunkt schaffen. Das Motto ist nun schnell, aber gewissenhaft, da wir unseren Run-Bag schon heute abgeben müssen und wenn wir jetzt etwas vergessen, dann …. na ja, dann ist eben Pech. Check, Double-Check. Cross-Check, Checked! Schnell noch die Wettkampf-Badekappe auspacken und … sie klebt zusammen, wir sind in Eile und ich bin wohl etwas gröber... kaputt. Großartig
Klamotten und Räder ins Auto, Navi an und los geht’s.
Wir sind zu spät, nur einige Minuten und nach Ankündigung, aber zu spät ist zu spät und damit unangenehm.
Der Rad-Check-In bzw. die Wechselzone 1 ist direkt am Hardtsee. Als wir ankommen, sehen wir schon, dass wir uns gar nicht so beeilen brauchten, da die Schlange am Check-In lang ist, sehr lang... Egal, wir sind da und wohlerzogen, wie wir nunmal sind, stellen wir uns an das Ende und drängeln uns nicht einfach rein.
Man kommt ins Plaudern, wandert voran und … zack … schon dran. Tja... mein Helm ist schon länger im Einsatz und hat daher eine kleine Risskante direkt über dem Ohr (das passiert bei Aerohelmen öfter, wenn die Ohren nicht sofort drunter wollen und der Träger dann den Helm ein wenig auseinander biegt). Diese Risskante beeinträchtigt in keinerweise die Sicherheit des Helmes, laut mehrerer Tests einschlägiger Triathlon- und Radsportfachzeitschriften.
Aber sie beeinträchtigt die Stimmung der Kontrolleurin und nachher auch die ihres 'Chefs' und zwar soweit, dass mir mit Ausschluß vom Wettkampf nach dem Schwimmen gedroht wird, falls man diesen Helm an meinem Rad finden würde, keine Widerrede.
Zum Glück bin ich ja ein in sich ruhender Mensch, gut, ich habe kurz überlegt, ob ich ihm sage, dass er sich den Helm... nein, das geht zu weit. Also, dreimal trocken schlucken, lächeln, weiterstapfen. Nachher erfahre ich, dass ich nicht die einzige bin, die diesen Spaß hat.
Ich entscheide kurzfristig mir einen neuen Helm zu zulegen.
Also, zurück zur Tria-Messe und hoffen, dass sie Helme haben, die a) gut aussehen und b) nicht ein kleines Vermögen kosten. Außerdem müssen wir ja noch eine neue Badekappe besorgen, da nur mit Veranstalter-Badekappen gestartet werden darf.
Torben besorgt die Kappe und ich stöber nach Helmen. Wiedermal Eile, da wir einen Tisch im Restaurant reserviert haben und verabredet sind. Helm gefunden, kurz gehandelt und gekauft. Preis okay (gleicher Preis, wie im Internet); Aussehen top. Nun schnell zurück ins Hotel.
Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig. Ein Tag mit viel Eile und Hast geht zu Ende.
Nachher verschlafe ich sogar das EM-Spiel Deutschland – Portugal.

Sonntag – Raceday:
5:30 Uhr klingelt der Wecker; 6 Uhr gibt es Frühstück. Kurz vor 7 Uhr starten wir mit dem Auto zum Hardtsee. Schnell richten wir unsere Wechselzone ein. Wieder einmal habe ich rechts und links 'Radnachbarn', die etwas unsanft nicht nur mit ihren Rädern umgehen...
Die Zeit vergeht und wir müssen uns in die Neos pellen. Wir bahnen uns durch die Zuschauer und ich hab ein wenig Angst um meine Füsse, da wir barfuss durch beschuhte Menschenmassen schieben.
Es ist 9 Uhr und ein Kanonenschuß signalisiert den Start der ersten Gruppe, in der sich auch die Profis befinden. Wir starten in 15 min und können ins Wasser. Das Wasser ist warm und klar. Ein kurzes Einschwimmen und schon werden wir hinter die Startlinie zurückgetrieben. Noch eine Minute... ein lauter Knall und es geht los... Obwohl ich mich nicht in der Masse auf der linken Seite eingeordnet habe, erwischen mich wieder Schläge und Tritte, dreimal habe ich das Pech von zwei anderen Schwimmern in die Zange genommen zu werden und muss bremsen. Vielleicht sind es auch immer die gleichen, wer weiß, wir sehen ja alle gleich aus. Das Wasser ist heute nicht mein Freund und wir arbeiten gegen und nicht miteinander. Ich finde zwar meinen Rhythmus nicht, aber zumindest einen Wasserschatten. So bin ich zwar nicht wirklich schnell, aber es kostet einfach weniger Kraft. Die Orientierung klappt mit viel Gucken und leichten Korrekturen. Nur kurz vor dem Ausstieg bin ich irgendwie völlig blockiert und verliere Zeit. Ich krabble aus dem Wasser und bin froh den ersten Teil des Tages hinter mir zu haben. 40 min ist zwar allgemein keine Spitzenzeit, aber zumindest meine persönliche Bestzeit. Gemessen an dem Trainingsaufwand, den ich für das Schwimmen hatte, ist das Ergebnis zufriedenstellend.
Weiter geht’s zum Rad. Helm und Brille auf,... hmmm, drückt ein wenig, aber ohne Brille...? Wird schon. Ich laufe bis zu dem Punkt, wo wir aufsteigen dürfen, doch kurz vorher reißt das Gummiband mit dem ich den linken Schuh befestigt habe und mein Rad hüpft unkontrolliert neben mir her. Ich muss das Rad die letzten Meter tragen, da der Schuh über den Boden schleift. Schnell aufsteigen und los. Kann ja nur besser werden. So richtig gut fühlt sich das Rad fahren heute aber nicht an, aber 90 km gehen auch vorbei. Ich komme nicht richtig in den Tritt und die Brille fängt an zu schmerzen. Bei Kilometer 40 hab ich die Nase voll und nehm sie ab.
Kurz hinter km 60 eine weitere Unterbrechung. In der Abfahrt klemmt sich die Kette nach dem Schalten zwischen Rahmen und Laufrad fest. Diese Unterbrechung kostet Zeit und Nerven und die Schmierefinger gibt es gratis dazu.
Die Zeit rennt mir davon und die Kräfte schwinden. Mein Ziel, meine Zeit vom Vorjahr zu verbessern, scheint in weite Ferne zu schwinden. Ich bin schon jetzt frustriert.
Fast habe ich es verpasst rechtzeitig aus meinen Radschuhen zu kommen, da ist auch schon die Wechselzone zum Laufen, nach 3 Stunden auf dem Rad, endlich Laufen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich mal auf das Laufen freuen würde, aber es ist so.
Rad in die Arme eines der vielen großartigen freiwilligen Helfer schubsen,Startnummer nach vorne und schnell zu den Laufklamotten. Socken und Schuhe an, Laufcap auf und los geht’s.
Ich laufe nach Gefühl, keine technischen Helferlein, die mir sagen, wie schnell ich bin. Es fühlt sich gut an. Im Gegensatz zum letzten Jahr werde ich nicht überholt, sondern überhole. Puls ist im grünen Bereich und der Flüssigkeitsbedarf wird mit Cola oder Iso gedeckt. Wenn ich noch lerne, wie man beim Laufen trinkt, könnte ich hier auch noch Zeit sparen, aber jetzt keine Experimente. Cola nehmen, langsam gehen, trinken und weiter laufen.
Nach 10 km errechne ich mir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 5:10 min/km. Ich befürchte zwar, dass ich das Tempo nicht halten kann, fühle mich aber gut. Die Temperaturen steigen über die eigentlich vorhergesagten 20 Grad, aber dank der vielen Schwämme, die angereicht werden, kann ich mich gut abkühlen.
In der letzten Runde mache ich einen fatalen Fehler: Ich nehme einen Becher mit Wasser an. Die Quittung folgt wenige Kilometer später in Form von fiesen Seitenstechen. Noch versuche ich weiterzulaufen, aber 3 km vor dem Ziel muss ich gehen. Ich hoffe, dass der Schmerz schnell wieder vergeht, so dass ich weiterlaufen kann. Nach der dritten kurzen Gehpause schaffe ich gehend-laufend-trabend einen weiteren Kilometer. Jetzt bleiben noch 2 und mein Kopf sagt, 'los weiter, es ist nicht mehr weit und der Schmerz wird ertragbar sein.' Ich glaube ihm und laufe los. Ich werde schneller und schneller. Ich gucke kurz auf die Uhr und schon darf ich auf die Zielschleife einbiegen.
Total euphorisch hüpfe ich fast Richtung Ziel. Den Halbmarathon bin ich nun in 1:49 h gelaufen, damit nur 2 min unter meiner persönlichen Halbmarathon-Solo (also ohne Rad und Schwimmen) Bestzeit.
Nach 5:38 h überquere ich die Ziellinie und bin überglücklich.
Es war ein verdammt harter Tag....


Kommentare:

  1. Sehr schön geschrieben!
    Und das mit den übereifrigen, aber sonst vom Wettkampfablauf komplett ahnungslosen und überforderten Kampfrichtern kennt glaub ich jeder ziemlich gut.
    Mein "Erlebnis": Ein Feld-Wald-Wiesen-Triathlon und die Herren Kampfrichter messen fast mit dem Drehmomentschlüssel alle Schrauben am Rad nach, dann ein großes Tria-Event, Liga-Starts, usw. - wir werden beim Bike-Checkin durchgewunken, nix mit Kontrolle (aber Faris Al-Sultan anmotzen...!).
    Keep on fighting! Kette rechts!

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  2. Also bei der Challenge wurde auch Sebi zum Helm-Austausch geschickt. Das warst nicht nur Du (und ich war nur am Sonntag beim Check-in zustaendig, war's also nicht).
    Die verschiedenen Vorehensweisen fuer verschiedene Rennen (oder seitens verschiedener Kampfrichter) habe ich als Kampfrichter selbst auch schon beobachtet und stimme mit Euch beiden ueberein - es sollte einheitlich sein. Risse im Helm sind zwar bei den Aerohelmen wahrscheinlich harmlos (das ist ja nur WindSchutz-Verzierung und nicht Helm-Statik) aber leider schreiben der BWTV und der BTV uns vor, jeden sichtbaren (!) Riss im Schaumstoff als Ausschlusskriterium zu betrachten. Das heisst wiederum nicht, dass alle Teilnehmer z.B. beim Summertime Triathlon ihre Helme von innen zeigen mussten - es kam drauf an, ob ich am Check-in war, oder einer der Kollegen.
    In manchen anderen Bundeslaendern (oder gemaess der DTU) muss die Helmkontrolle nur von aussen erfolgen (sitzt gut, hat keine haesslichen Kratzer, usw.)
    Drehmomentschluessel kenne ich aber noch nicht als KaRi Ausstattung - eher Weinkorken oder Duct Tape als Lenker-Endkappen-Ersatz fuer Nicht-Profis, deren Kappe verlorengegngen ist. (Wobei mir das Duct Tape auch nicht sicherer scheint als 'kein Duct tape') Physik ist halt nicht immer relevant in den offiziellen Regeln.
    Jedenfalls: gut, dass Dir die Helm-Geschichte nicht dem Spass genommen hat :)

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