Dienstag, 7. August 2012

OstseeMan 2012


Endlich, der Saisonabschluß steht bevor...
05.08.2012
04:00 Uhr: Der Wecker klingelt und es rauscht. Es rauscht? Mein müdes Gehirn sucht nach einer Ursache für dieses Geräusch. Es dämmert mir: Regen! Sturzbachartige Regenfälle. Es ist August, also Regenzeit? Großartig...
04:40 Uhr: mit Regenschirm bewaffnet wandern wir schwer bepackt mit unserem Wettkampfzeug in Richtung Wechselzone. Ich gebe offen zu, dass meine Vor-Wettkampf-Unruhe Schuld an unserem zeitigen Aufbruch ist.
05:15 Uhr: Wir erreichen die Wechselzone. Noch regnet es. Der Boden ist ein wenig matschig, aber nicht schlimm. Ich packe meine Radsachen unter dem Schirm aus.
05:30 Uhr: Der Himmel reisst auf. Schnell zum Bodymarking, da noch kaum jemand da ist.
Jetzt vergeht die Zeit, wie im Flug. Wechselbeutel ablegen, in den Neo quälen und runter zum Strand.
6:45 Uhr: Einschwimmen ist zu Ende. Fast alle Starter sind an den Strand zurückgekehrt. Einige wenige sind wieder mal der Ansicht, sie hätten Sonderrechte und stehen bereits knietief im Wasser. Was Hänschen nicht lernt,...
Die Füße werden kalt, aber wir lauschen andächtig allen Nationalhymnen.
06:59 Uhr: Der Countdown beginnt.


07:00 Uhr: Baaaaam!!! Es geht los. Treten, Kneifen, Kratzen, Schubsen, Drängeln... ja, Schwimmen ist eigentlich die geforderte Disziplin.... aber das Gerangel ist diesmal heftig und hält an. An jeder Wendeboje und teilweise auch an den Orientierungsbojen trifft man sich, mal mit dem Ellenbogen im Gesicht oder auch mit dem Fuss in den Rippen.
Aber das ist nicht meine Erklärung für meine Schwimmzeit. Ich habe einen Linksdrall, das heißt, tendenziell schwimme ich eher einen leichten Linksbogen, statt geradeaus. Das ist bei einem Kurs, der mit dem Uhrzeigersinn geht, eher von Nachteil. Dazu kommt, dass ich häufig die Bojen nicht sehe und mich daher immer wieder orientieren muss. Schwamm drüber. Auch ich komme heil durch das Wasser.
08:26 Uhr: 2 Runden à 1,9 km Ostseewasser verdrängen sind erledigt. Ich krabbele an Land. Nun geht es weiter mit dem Rad.
08:34 Uhr: Erster Blick auf den Tacho... nix... oh nee.... ich hab vergessen, ihn anzuschließen.
08:37 Uhr: Kurzer Stop. Technik zum Laufen bringen und weiter geht die Reise, … nur … keine Tempoanzeige... also nur Watt, Puls und Trittfrequenz. Was soll's , ist der Kopf wenigstens beschäftigt, wenn ich meine Geschwindigkeit anhand der Rundenzeiten überprüfen muss.
Nun heißt es 6 Runden mit je 30 Kilometern und einigen Höhenmetern zu bewältigen. Ständig reist die Befürchtung mit, dass aufgrund des schlechten Wetters der vergangenen Stunden die Strassen total verdreckt und damit ursächlich für diverse Raddefekte sein könnte.
Die Strassen sind zwar recht sauber, aber leider teilweise nicht im besten Zustand. Also, lieber vorsichtig und keinen Defekt riskieren.
In der zweiten Runde beginnen die Nackenschmerzen und ich fahre fast jede noch so kleine Steigung im Stehen, damit ich mich zwischendurch strecken kann. In der dritten Runde dann habe ich das Gefühl, dass die Bremse schleift. Da noch mehr als 90 Kilometer vor mir liegen, entscheide ich mich für eine kurze Kontrolle. Ergebnis: kein technischer, nur menschlicher Defekt.
Zur Krönung verirrt sich dann noch ein Brummer in meinen Helm. Keine Ahnung, wie der da rein kam. Raus muss ich ihm helfen... also noch ein Stop.
Runde Fünf und Sechs verlaufen ereignislos, aber mit zunehmenden Schmerzen. Ich bin mir nicht sicher, wie und ob ich überhaupt den abschließenden Marathon schaffe. Zweifel kommen auf. Habe ich auf dem Rad vielleicht überzockt?
Nach 5:49 h auf dem Rad erreiche ich die Wechselzone. Die ersten Schritte sind, na ja, wackelig?
Das soll ein Marathon werden? Noch glaube ich das nicht.
Kurzes Durchatmen im Wechselzelt. Hektik bringt mich nicht weiter.
Nach ein paar hundert Metern habe ich meinen Rhythmus.
Die Laufstrecke ist abwechslungsreich und überall sind Zuschauer, die uns Läufer anfeuern. Vom Campingplatz Schwennaustraße an geht es erstmal über eine längere Strecke bergan, das schlaucht. An diesem Streckenabschnitt stehen ua. die großartigen Pirate Supporter Rainer und Sabrina. Rainer's trockener Kommentar, als ich die beiden das erste Mal passiere: „Guck mal, keine 40 Kilometer mehr!“ Ich muss grinsen.
Was soll ich sagen, es läuft sich locker. Schon merkwürdig, ich merke kaum die Kilometer. Klar, es ist phasenweise echt anstrengend, aber es macht Spaß und die Supporter lassen mich den Schmerz einfach vergessen. Sie stehen irgendwie überall und eigentlich auch immer genau dort, wo ich das Gefühl habe, müde zu werden.
Ein Problem habe ich nur mit der Verpflegung, da es nur an zwei Verpflegungen Cola gibt. Das Isogetränk bereitet allein beim Gedanken daran Bauchschmerzen und vom Wasser bekomme ich Seitenstechen. Dumm gelaufen... Der versprochene Regen bleibt auch aus.

Nichts desto trotz ich laufe einfach meinen Rhythmus und das Runde um Runde. Da ich mit Torben eine Wette hatte, dass ich unter 11:35 h bleibe, was er nicht glaube wollte, bin ich auf der letzten der 5 Runden ein wenig in Eile. Den letzten Kilometer gebe ich nochmal richtig Gas.
Im Ziel bleibt die Uhr bei 11:32 Stunden stehen. Hah!!!
Die Krönung wäre ein Marathon unter 4 h gewesen, aber dafür hat es leider noch nicht ganz gereicht. 4:07 h ist somit meine neue persönliche Marathon Bestzeit in einem Irondistance Triathlon.

Bin ich zufrieden? Ja. Alle selbst gesteckten Ziele erreicht: Schwimmzeit verbessern, Radschnitt 30 km/h + und den Marathon um und bei 4 h. Wichtigstes Ziel, die Zielzeit des letzten Jahres verbessern, habe ich mit einer Verbesserung um 1:45 h erreicht.

Vielen Dank an all die großartigen Supporter, groß und klein. Ohne euch hätte ich das nie und nimmer geschafft.

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