Freitag, 5. Oktober 2012

Xterra Hamburg – Crossduathlon


Der Wetterbericht hat mit Regen gedroht, nichts desto trotz sind wir auf dem Weg zum Crossduathlon in die Harburger Berge. Ja, Berge!!! Wie bergig das sein wird, weiß ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht. Ehrlich gesagt, mangels Erfahrung bin ich recht blauäugig an das Ganze rangegangen.
Die Voraussetzungen sind auch denkbar günstig: Ich besitze keine Wettkampf-Trailrun-Erfahrung, kenne den Kurs nicht, habe mein erstes MTB seit 3 Monaten, bin auch noch nie ein richtiges MTB-Rennen gefahren und selbst einen Duathlon habe ich noch nie mitgemacht. Also, in völliger Unkenntnis der Strecken und nur geringfügiger Vorahnung, was mich eventuell erwarten könnte; 'hast ja schonmal auf einem Crosser gesessen und bist auch schon Marathon gelaufen. Was soll schief gehen...?'
Am Wochenende zuvor bin ich noch mit dem MTB bei einem 24h Rennen mitgefahren, aber hier ging es irgendwie um was anderes....


Lange Rede, kurzer Sinn: Mit Crosslaufschuhen an den Füssen stehe ich am Start, irgendwo im Mittelfeld, so viel traue ich mir dann doch nicht zu, um mich vorne mit hinzustellen.
Der Startschuss fällt und es geht auf die erste der drei Laufrunden à 2,5 km. Haha... Runden.... erstmal geht es runter, also steil, sch*** steil. Ich muss aufpassen, wo ich meine Füsse setzte, Wurzeln bilden kleine Stufen und glitschige Stolperfallen. Sollte ich fallen, bin ich sicher im Rollen schneller, nur das Weiterlaufen wird schwierig.
Also konzentriere ich mich auf das Setzen meiner Füsse und verpasse fast die Linkskurve, wobei der Modder mich fröhlich schliddern lässt. 'Fröhlich ist aber ganz schnell vorbei, denn es geht rauf, erst noch recht flott, schön Vorfuss, dann langsamer auf dem Mittelfuss und letztendlich gehend auf dem ganzen Fuss. Ursächlich für den Tempowechsel ist hier jedoch nicht meine Erschöpfung, sondern der Stau. Vor mir hat sich ein Pfropf gebildet.
Im Anstieg dürfen wir dann noch über einige querliegende Baumstämme springen. Nach dem ersten Anstieg ahne ich, dass ich die Strecke ein wenig unterschätzt habe. Wieder geht es runter mit anschließendem Anstieg,der es richtig in sich hat. Kurz vor Ende habe ich eine Schräglage erreicht, in der ich locker in den Vierfüssler-Stand wechseln könnte, ganz davon abgesehen, dass meine Lunge mir die 15 jährige Raucherphase auch nach 2 ½ Jahren Nikotin-Freiheit noch noch ganz verziehen hat. Nach den zwei Anstiegen geht es wellig über Singletrails weiter, vorher überqueren wir noch eine Autobahnbrücke und erreichen eine Wendepunktstrecke, so kann ich sehen, wen ich direkt im Nacken habe. Gefühlt, bin ich ständig verfolgt worden... und habe eigentlich keinen Plan, auf welchem Platz ich gerade bin. Das ist mir im Moment auch egal, da ich eigentlich nur ankommen will und zwar heil an einem Stück.
Nach drei überstandenen Laufrunden torkel ich in die Wechselzone. Schneller Wechsel aufs Rad? Theoretisch, ja... praktisch... eher nicht ganz so schnell, dafür, Schuhe und Helm zu, Handschuhe an und auf geht’s.
Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet... Ich glaube, ich bin im Leben noch nicht derart steile, glitsche, verwurzelte und matschige Abfahrten gefahren.
Während ich mich in den Abfahrten körperlich etwas erholen kann, muss ich mich 100% konzentrieren, um mich nicht vor das Rad meines Hintermannes zu werfen. In den Anstiegen ist es dann anders herum, Hirn auf Standby und treten, treten, treten.
Da ich mich nur auf den Moment konzentriere, verliere ich auch so manches Mal die Orientierung. Einmal muss ich sogar einen anderen Athleten fragen, wo es denn lang geht, da mir die Streckenführung trotz Flatterband nicht klar wird. Ansonsten läuft es ganz gut. Ich fahre an immer mehr Frauen vorbei und bekomme ab und an Positionsinformationen, mit denen ich allerdings nicht so viel anfangen konnte, 'du bist 4, 5 oder 6, die zweite ist nur 1:30 min weg' Ah ja... Das Problem war, dass teilweise nicht ganz klar war, wer Staffelteilnehmer und wer Einzelstarter ist, daher die Verwirrung.
Ich bin zumindest nicht Letzte und habe sogar die Chance unter die ersten 5 zu kommen. Cool. Nach 2 Runden und 23 km auf dem MTB geht es zurück in die Wechselzone,... warum kann das Ganze nicht mit dem Radpart enden.... :( Schnell in die Schuhe und wieder auf die Laufstrecke. 3,5 km warten auf mich. Es soll die gleiche Strecke, wie zu Beginn sein, nur mit einer 1 km Extra-Schleife. Juhu! Natürlich hat diese Schleife auch EXTRA Höhenmeter. Doppel-Juhu!!
Jetzt heißt es nur noch Zähne zusammenbeissen, irgendwie ankommen und von möglichst wenig Frauen noch überholt werden. Ich denke zu diesem Zeitpunkt, dass ich auf dem vierten Platz liege. Eine Athletin überholt mich noch. Vierter oder Fünfter Platz, beides ein tolles Ergebnis für die Premiere, dachte ich und kämpfe weiter. Nach dem letzten Anstieg ist zwar noch Strecke über, aber meine Beine haben neuen Schwung. Keine Ahnung woher das kommt.
Ich biege auf die Startgerade ein und muss nur noch über eine kleine Brücke.
ZIEL!!! Ich bin völlig im Eimer, aber ich habe es durchgezogen.

Als die Ergebnisliste hängt, sehe ich, dass ich nicht Fünfte, sondern Dritte bin, also gesamt nicht AK. Meine Altersklasse habe ich damit auch gewonnen.
Ich bin platt, aber glücklich und habe mir vorgenommen für das nächste Mal vorher ein wenig zu trainieren... :p


  1. Laufstrecke: 7,5 km mit ca. 160 HM
  2. MTB: 23 km mit ca. 500 HM
  3. Laufstrecke: 3,5 km mit ca. 60 HM

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