Montag, 12. August 2013

OstseeMan 2013

'Boah, ihr seid echt verrückt!'
Ich weiß nicht, wie oft ich den Satz in den letzten Wochen gehört habe... Ist es wirklich verrückt? Nee, eigentlich nicht.
Im April den Hamburg Marathon, im Mai den Rennsteig Ultratrail, dann um in den Triathlon reinzukommen den XTERRA Harz und als Vorbereitung Challenge Roth.
Als Vorbereitung? Ja, und zwar für meine absolute Lieblings-Langdistanz: Den OstseeMan.
Klar, 3 Wochen zwischen zwei Langdistanzen ist nicht viel und eigentlich war ich ja schon für Roth nicht gut vorbereitet, aber die Hoffnung blieb.


In der Woche direkt nach Roth war erstmal Pause angesagt, Freitag der erste lockere Lauf und Samstag dann eine lange Ausfahrt. Ich hatte mich alleine mit dem Rennrad auf den Weg gemacht und alles war gut, das Wetter nahezu perfekt, relativ wenig Autos und eine Strecke, die wunderbar kurzweilig war, bis … bis ich nach knapp 65 km mit dem Hinterrad unglücklich in einer Bahnschiene hängen blieb und mit linkem Knie, Oberschenkel, Ellenbogen/ Unterarm und beiden Handballen meinen Flug auf dem Asphalt bremste. Verdammte Sch***



Großflächige Asphaltflechte ist nicht unbedingte der beste Trainingsbegleiter. Ich musste entscheiden zwischen der Hoffnung einer schnellen Heilung oder halbherzigen Training unter Schmerzen und mit dem Risiko, dass es eben nicht innerhalb von 2 Wochen heilt. Nun, ganz ehrlich, ich bin Hobbyathlet und kein Profi, ich verdiene damit kein Geld und nehme auch keine Medikamente nur um Schmerzen ertragen zu können, wenn der Körper eigentlich Ruhe braucht. Also, Zwangspause bis zur Schmerzfreiheit. Eine Woche vor dem OstseeMan haben wir dann nochmal eine längere Ausfahrt gemacht, auch nur, weil ich wieder ohne Beeinträchtigung auf dem Rad sitzen konnte. Für Lauftraining oder Schwimmen reichte die Zeit bzw der Heilungsfortschritt einfach nicht aus.
Zwei kurze Radeinheiten und dann ging es am Freitag Morgen nach Glücksburg.
Freitag:
Kaum angekommen und im Hotel eingecheckt und Startunterlagen abgeholt, ging es dann auch schon auf die Radstrecke. Eine Runde fahren, also knapp 30 km, da einige Streckenteile für Radfahrer noch gesperrt waren. Alles in allem hatte sich zu den letzten zwei Jahren fast nichts verändert. Eine Ortschaft hatte eine neue Ashaltdecke bekommen und die Strecke vom Golfplatz bis Bockholm war bedauerlicherweise immer noch genauso gruselig, wie auch schon die Jahre zuvor.
Am frühen Abend haben wir dann zwar den Marsch der Nationen verpasst, waren jedoch pünktlich zur Pastaparty da. Traditionell wird das Essen von der Bundeswehr zubereitet, was aber nicht heißt, dass es nicht gut ist, im Gegenteil die Pasta ist bissfest und die Auswahl an Soßen lecker. Die Jungs machen da echt einen guten Job. Sie taten mir schon ein wenig leid, denn selbst mir in luftigem T-Shirt und kurzer Hose war schon echt warm, sie mussten in Uniform vor den dampfenden Nudeln stehen.
Nach der Pasta ging es dann mit Rainer und Sabrina an den Strand. Glücksburg ist nunmal eine Ferienregion und so kommt, trotz anstehendem Wettkampf, einfach ein herrliches Urlaubsgefühl auf, wenn man mit Freunden ein RIESEN Softeis (Portionsgröße: mittel!) essend abends am Strand sitzen kann und der Sonne beim Untergehen zuguckt ;) Von Rainer erfuhren wir dann auch, dass Silke und Heiko ebenfalls vor Ort waren.
Samstag:
Der Morgen begann dann mit einem schönen Frühstück und einem lockeren Lauf zur Messe: Silke und Heiko besuchen. Kaum angkommen hatten wir uns auch schon festgequatscht. Somit geriet dann auch unser Zeitplan etwas durcheinander, aber irgendwie waren wir auch einfach zu entspannt. Dann ging es nach dem Duschen wieder an den Strand zum Eis essen mit Sabrina und Rainer, na ja, oder eigentlich zum Neotest-Schwimmen... das fiel für uns aber aus, wegen Eis :)
Dann klärten wir noch schnell die Wettkampf-Vorabend-Essens-Frage und zurück auf der Messe, sah ich dann unseren Bremer Überraschungsbesuch! Die Nasen! Sanni, Maren und Marc tauchten plötzlich auf, dabei hatten sie kurz zuvor geschrieben, sie kommen gar nicht, wegen der ganzen Baustellen und Ferienende etc. Ich hab mich gefreut, wie ein kleines Kind!!! Das war soooooo lieb!!!! 
Sonntag:
Der Wecker klingelte um 4:00 Uhr. Ein wenig Anspannung war jetzt doch da, aber lange nicht so stark, wie sonst. Ganz in Ruhe konnte wir in der Wechselzone unsere Räder fertig machen, die Oberarmbeschriftung abholen und ich mich dann in die Dixie-Schlange stellen. Nochmal sortieren, nochmal Dixie, dann in den Neo, Wechselbeutel abgeben und zum Start. Einschwimmen? Nein, zu spät.
Die Andacht wird gehalten, die Nationalhymnen aller teilnehmenden Staaten wird gespielt und dann: ten, nine, eight, seven, six, five (die ersten rennen mal wieder los), four, three, two, one.... und ein Rauschen … Der OstseeMan hat einen Massenstart von Land aus, das heißt auch, Laufen, bis das Wasser tief genug ist und dann 'Waschmaschine', Arme, Beine, Körper und Köpfe überall, knapp 1000 Schwimmer wollen gleichzeitig los.  
 Ruhe bewahren und das Beste hoffen. Die ersten tiefen Schlucke Salzwasser habe ich schon genommen, aber egal. Erstmal ging es geradeaus, dann 90 Grad nach rechts, ewig geradeaus, wieder rechts, an der Küste entlang und kurz hinter dem Pier wieder rechts und auf die zweite Runde. Gefühlt waren alle Quallen dort versammelt, wo mein Schwimmweg war. Nun, ich hatte mich auch ein wenig vom offiziellen Schwimmweg entfernt und war wiedermal der festen Überzeugung, dass alle anderen viel zu weit rechts schwammen. Nun, Freiwasser-Orientierung gehört immer noch nicht zu meinen Stärken und irgendwie fehlte mir die erste Orientierungsboje, so nehmen die Quallen und ich dann den Umweg über die linke Flanke, auch auf Runde zwei, aber wenigstens hat mich so auch keiner gehauen oder getreten.
Endlich, nach 3,8 km (oder in meinem Fall laut GPS 4,1km) krabbelte ich an Land.
Ich finde es immer toll, dass viele direkt aus dem Wasser loslaufen können, bei mir bewegt sich der Boden immer viel zu stark. Maren, Sanni und Marc standen am Strand und freuten sich mit mir, dass ich den ersten Teil der Reise ganz gut überstanden hatte.
In der Wechselszone pellte ich mich dann aus meinem Neo. Das Ding ist auch echt biestig, erst komme ich immer nicht rein und dann nachher nicht wieder raus. Was soll's, ab auf's Rad, 6 Runden à 30 km. Meine Taktik war, erstmal gucken, wie es sich anfühlt, einrollen und dann... mal sehen. Die ersten beiden Runden liefen ganz gut, ich hielt mich zurück, aber es rollte. In der dritten Runden war die Flasche mit Iso, die mir angereicht wurde, leider schief zugeschraubt und bei jedem Trinkversuch lief mir das klebrige Zeug übers Gesicht. Blöderweise hab ich dann verpasst mir an der nächsten Verpflegung eine neue geben zu lassen und musste hoffen, dass meine Reserve noch für die nächsten 30 km bis zur Verpflegung reicht. Nach knapp 100 km auf dem Rad verabschiedete sich dann meine Motivation, sie habe besseres zu tun. Tatsächlich spielte ich mit de Gedanken einfach aufzuhören.
 Ich hatte keine Schmerzen (abgesehen von den üblichen Verspannungen) und auch keine Krämpfe, aber die Kraft war irgendwie einfach weg. Ich hatte aber nun mehr als die Hälfte der Strecke hinter mich gebracht und außerdem irgendjemand hätte dann sicher gesagt, 'siehste, war doch etwas viel' und außerdem war ich mir sicher, dass Torben finishen würde und dann hätte er eine Langdistanz mehr als ich... und wirkliche Gründe für ein DNF (did not finish) hatte ich ja eigentlich nicht. Da zu dem Zeitpunkt schon sicher war, dass ich, wenn ich auf der Laufstrecke nicht gänzlich einbrechen würde, auf jeden Fall innnerhalb der erlaubten Zeit ins Ziel kommen würde.
Ich hatte aber echt keinen Bock mehr und als auf der letzten Runde der Wind auch noch auffrischte, war ich echt bedient. Doch nun war es nicht mehr weit. 
Im Wechselzelt ließ ich mir dann Zeit, ich musste nicht hetzen, eine gute Zielzeit war schon in unerreichbare Ferne gerückt, jetzt hieß es nur noch gnießen. Ich liebe die Laufstrecke des OstseeMan. Sie ist anspruchsvoll und abwechslungsreich und mit 5 Runden à 8,4 km auch planbar.
Es war deutlich wärmer geworden und so wußte ich, dass ich keine Verpflegung auslassen durfte und mich regelmäßig abkühlen musste. Ich bin nunmal nicht der Typ 'Wüstenrenner', sondern eher Regen- oder Schneeläufer ;)
Da aber die Glücksburger mit Beigeisterung bei IHREM Triathlon dabei sind, gab es überall Abkühlung: Gartenschläuche waren einfach über den Zaun gehängt worden, Schwämme wurde von den Zuschauern angereicht und Wasserbehälter standen einfach am Straßenrand. Eine Zuschauergruppe hatte sogar Wassermelone und Eiswürfel für die Läufer bereit gestellt. 

Das Laufen machte mir sehr viel Spaß, leider wurde ich jedoch durch mehrere Besuche in der Porzellan-Abteilung länger aufgehalten. Details behalte ich jedoch lieber für mich.
Da wir für jede Runde eine 'Kordel' erhalten habe, konnte ich sehen, dass ich auf der Laufstrecke mehrere Plätze gut gemacht habe und dass gab mir dann doch noch ein gutes Gefühl. Am Ende hatte ich dann nur auf den Marathon bezogen Platz 5, nur mit der Radzeit habe ich es dann versaut.
Im Ziel angekommen, war ich erstmal enttäuscht. Klar, mit der Vorbereitung wäre eine bessere Zeit dann auch wohl nicht möglich gewesen, aber trotzdem.... 

Im Endergebnis bin ich dann doch noch 3. der Norddeutschen Meisterschaft und Hamburger Meisterin jeweils im Gesamtfeld der Frauen geworden, so dass wir dann uns mit Heiko und Silke zusammen das Abschluß-Feuerwerk, natürlich geduscht und umgezogen, angeguckt haben und zur Siegerehrung gegangen sind.
Kurz vor Mitternacht waren wir wieder im Hotel. Das war ein sehr langer Tag.

Ganz lieben Dank an alle, die uns unterstützt haben! Explizit: Silke, Sabrina, Rainer, Heiko, Sanni, Maren, Marc und Raphael.


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