Mittwoch, 12. März 2014

Teide - von der Basis bis zum Kraterrand - ein Abenteuer

1. März 2014, La Caleta, Teneriffa:
0:30 Uhr: der Wecker klingelt, 'wo, wer und warum?' Moment... ach ja, heute ist ja quasi Wandertag.
Unser Plan: Mit dem Auto zum Parkplatz Montaña Blanca in den Cañadas, dem Naturschutzgebiet rund um den Teide, der der höchste Berg Spaniens (3718m) und ein ruhender Vulkan ist. Der Parkplatz liegt auf ca. 2100 m Höhe und soll der Startplatz für unsere Erwanderung des Teide werden.
Am Mittwoch zuvor haben wir uns bei Tageslicht den Beginn des Wanderwegs/ Kletterpfad des Teide angeschaut. Es lag zwar noch Schnee, aber der Weg erschien klar erkennbar. 
1. Sichtung unseres Weges
Weiter im Plan, also vom Parkplatz wollten wir dann los zum Krater und dort dann den Sonnenaufgang genießen.
Klingt einfach, oder?










02:30 Uhr: Mit Stirnlampen, Rucksäcken, Salomon Speedcross 3 und im Zwiebellook fühlen wir uns bereit zur 'Bezwingung' des Teide. Sanni Henning haben auch von an Stöcke gedacht, clever, wie sich nachher noch rausstellt.
Wir wandern los in die absolute Dunkelheit, nur durchbrochen von den Lichtkegel unserer Stirnlampen. Der Weg ist zwar teilweise mit harschigem Schnee bedeckt, aber noch klar erkennbar. Mir macht die dünner werdende Luft zwar ein wenig zu schaffen, aber dann geht es eben langsamer voran. Die Stille und Einsamkeit wirkt entspannend. Der Weg besteht überwiegend aus Tuffitund Bimsstein, daher fühlt es sich an, als würden wir über Kreide laufen. Wir fühlen uns, wie in einer anderen Welt. Das schwarz glänzende Basaltgestein wirkt, als stamme es von einem anderen Stern.
Nach einiger Zeit sehen wir auch die Teide-Eier, sie sehen aus, als hätte Obelix persönlich seine Hinkelsteine hier abgestellt. Plötzlich teilt sich der Weg. Aufgrund des Schnees können wir auch keine Markierungen mehr erkennen. Henning läuft den linken Weg ein Stück vor und es scheinen ihm zwei andere Wanderer entgegen zu kommen, doch unsere Einschätzungen über Entfernungen trügt. Wir entscheiden uns für den rechten Weg, da es links vermutlich eher zum Montaña Blanca auf 2700m Höhe geht und uns weg von unserem eigentlichen Ziel führen würde.
Nach einiger Zeit entdecken wir ein Schild, das uns bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Der Weg ist leicht ansteigend und trotz des Schnees noch recht gut zu laufen.
Einige Zeit später treffen wir auf weitere zwei Wanderer, die eine Pause in der Dunkelheit machen. Nach kurzer Zeit wissen wir, warum sie eine Pause gemacht haben, denn ab jetzt wird es steil. Das gemütliche 'Wandern' mit ab und an Verschnaufpause wandelt sich in anstregende Schritte mit Schnappatmung. Kann ja nur besser werden, oder? Der Weg wieder schwieriger, schmaler, vereister und teilweise kaum zu erkennen. Im Moment fühle ich mich so gar nicht sportlich.
Plötzlich scheint der Weg zu enden. Okay, die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Gerade, also geht es ab jetzt gerade bergauf. Der Untergrund besteht jetzt nur noch aus verharschtem Schnee und Eis. Ich bin froh, dass die Stirnlampe nicht weit genug reicht, um in den Abgrund zu sehen. Ich habe wohl doch Höhenangst oder Absturzangst? Wir versuchen in den Fußspuren, die von anderen Wanderern zu der Zeit in den Schnee gedrückt worden sind, als der Schnee noch weicher war, zu klettern. Der Aufstieg wird immer steiler. Ich wünsche mir inzwischen Steigeisen. Manchmal geht es auch nur auf allen Vieren weiter, zum Glück schützen meine Sockenhandschuhe meine Hände. Alle drei, vier Schritte muss ich Pause machen, meine Waden krampfen und meine Kräfte lassen nach. Wie lange müssen wir hier noch hoch? Ein Ende ist nicht zu sehen und wirklich ausruhen oder gar hinsetzten ist hier nicht möglich. Umkehren wäre nicht nur Quatsch, sondern vermutlich auch gefährlicher als der Aufstieg.
Wir sind inzwischen knapp vier Stunden unterwegs, da sehen wir über uns ein Licht, Hoffnung keimt auf, denn in 3100m Höhe liegt das Refugio, wo wir vielleicht kurz pausieren und uns aufwärmen können, denn wir sind seitdem wir in der 'Eiswand' permanent dem kalten Wind ausgesetzt.
Es ist tatsächlich das Refugio und hier können wir uns aufwärmen und ausruhen. Eine heiße Schokolade holt meine Lebensgeister zurück.

Langsam wird es im Osten heller am Horizont und wir erleben einen atemberaubenden Sonnenaufgang. Wir sind zwar noch knapp 600m unterhalb des Gipfels, aber das ist jetzt völlig egal.
Nachdem die Sonne ganz aufgegangen ist, gehen wir weiter, denn nun ist der Weg auch wieder zu erkennen. Die Wanderer, die im Refugio übernachtet haben, machen sich auch auf den Weg, somit wird es immer unwahrscheinlicher, dass wir uns nochmal verlaufen. 

Die Schneewehen sind allerdings hier noch wesentlich höher und so müssen wir auch weiterhin sehr vorsichtig sein, aber können den Aufstieg auch genießen, denn der offizielle Weg ist gar nicht so steil, auch, wenn die 'Stufenabstände' etwas zu groß für meine Schrittlänge sind. 
Jetzt sehen wir den Krater von weitem. Oberhalb der Seilbahnstation queren wir noch ein Eisfeld und sind dann auf dem schmalen stufenartigen letzten Aufstieg zum Krater. Auch, wenn ich mir bis eben nicht sicher war, ob ich den letzten Rest noch schaffe, jetzt kneifen, geht auch nicht. Es sieht aus, als wäre es nicht mehr weit, aber das täuscht, wir brauchen für die letzten 200 Höhenmeter noch knapp 30 min. Langsam nimmt der Schwefelgeruch zu. Noch eine Kurve und da ist er, der Krater. Immer wieder pustet uns warmer Schwefeldampf ins Gesicht und ich blicke zum ersten Mal in meinem Leben über den Rand eines Kraters in einem Vulkan. 
Der Krater in Schwefeldämpfe gehüllt
Es ist unglaublich beeindruckend und wirkt so urtümlich. Der Blick über die Insel unter uns ist atemberaubend. Ich bin froh und glücklich den Aufstieg gemacht zu haben und genieße den Augenblick.
War es die Anstregung wert? Ganz klar, ja.
Den Abstieg bis zur Seilbahnstation ist auch vereist, durchbrochen von Höhlen, aus denen Schwefeldampf steigt, wir sind vorsichtig und entscheiden uns aus Sicherheitgründen gegen einen weiteren Abstieg und nehmen stattdessen die Seilbahn nach unten.

Als kleines Andenken nehmen Sanni und ich dann noch Kopfschmerzen und leichte Übelkeit mit ins Tal, aber auch das vergeht und die wunderschöne Erinnerung an einen Wahnsinnsaufstieg bleibt.
unsere 'kleine' Abweichung vom Weg 

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