Donnerstag, 2. Juli 2015

Wasserstadt- Triathlon Hannover Limmer Langdistanz

Wenn man zu einem Langdistanz-Triathlon erst am Wettkampftag anreist, dann muss man früh aufstehen. Also klingelte um 3:30 Uhr der Wecker. Zugegeben in solchen Situationen ist der innere Schweinehund, der einen zum Liegenblieben überreden will, nahezu übermächtig. Aber eben nur nahezu.
Der Weg nach Hannover ist zum Glück nicht ganz so weit. Schnell Räder eingecheckt, Neo angepellt und ab zum Start. Geschwommen werden sollte im Lindener Stichkanal. So ein Kanal hat ja den Vorteil, dass man sich gut am Ufer orientieren kann und so Verschwimmen eher unmöglich ist. Das Wasser war klar, aber voller Gestrüpp, nicht überall, nur da, wo ich schwamm. Zwei Runden musste ich mich nun durch diesen Wasserwald arbeiten. Als dann auch noch ein 'Fangarm' einer Pflanze an meiner Brille klebte, kam kurz Panik auf. Irrational, aber sowas passiert nunmal.
Nach 3,8 km oder auch mehr und einer gefühlten Ewigkeit, durfte ich mittels einer Treppe, Leiter, dem Kanal wieder entkrabbeln... und fiel gleich erstmal vor Dankbarkeit oder weil mein Kreislauf sich erstmal erden musste vor den Helfern auf die Knie. Drama, Baby. Schwächeln ging nicht, also weiter. Ca. 400m war der Weg bis zur Wechselzone und ich spürte schon, wie mein Neo sich immer fester an meine Beine sog, an ein schnelles Auspellen war nicht zu denken.
In der Wechselzone angekommen, rollte ich mich irgendwie aus dem Neo, um dann... die Hälfte meiner Sachen nicht mehr zu finden. Da fiel es mir ein, jemand sagte beim Check-in, dass nur der Helm und die Schuhe am Rad sein durften, Trikot und Überschuhe waren also entfernt worden. Nur wohin? Klar, ich hätte auch ohne fahren können, Helm und Schuhe hatte ich ja, aber für derartige Gedanken, fehlte es an Blut im Gehirn ;) Endlich fand ich meine vermissten Sachen und konnte los.
6 Runden à 30 km und gefühlt war ich noch ein totaler Eisklotz. Erstmal ging es raus aus Hannover und dann auf welliger Strecke mit irgendwie immer Gegenwind, eine steile Rampe hoch, über teilweise rauen Asphalt und einige kurze Pflasterstücke und Asphaltunebenheiten wieder rein nach Hannover. Ich fühlte mich nicht ganz so topfit, aber es sollte ja auch erstmal nur eine Art Trainingswettkampf werden. Während ich auf der ersten Runde noch recht flott unterwegs war, waren die folgenden Runden zwar recht gleichmäßig, aber auch gleichmäßig langsam. Wenn einen die 'warum tu ich mir das eigentlich alles an'-Gedanken begleiten, leidet leider auch die Performance und die Motivation. Doch sind die ersten 90 km erstmal rum, geht es quasi nur noch nach 'Hause'. Und schon war ich wieder in der Wechselzone. 'Erste Frau'. Äh, was? Wahrscheinlich von der Mitteldistanz... Ich bepacke mich mit allem, was ich diesmal so probeweise mitnehmen will, zu viel, wie sich nachher rausstellt und verlasse die Wechselzone.
'Da hinten wartet dein Führungsfahrrad' Wie jetzt? Ich war tatsächlich erste Frau auf der Langdistanz. Und dann hab ich mich beeilt. Total blöd, aber ich wollte mein Führungsfahrrad ja nicht warten lassen. Wie gesagt, mein Gehirn war etwas blutleer. Statt einem geplanten 5:30 min/km Schnitt, rannte ich mit unter 4:30 min/km los. Das ging allerdings auch nur einen knappen Kilometer gut. Dann war vorbei. Es wurde deutlich wärmer und die Luft immer trockener, so gar nicht mein Wetter. Dazu kam, dass die zweite einen sehr großen Abstand zu mir hatte und meine Motivation ebenfalls.
So wurde der Marathon zum Wandertag, begleitet von mehreren Versuchen, ihn gar nicht erst zu beenden, doch Hannah, meine Führungsfahrrad-Radbegleitung, konnte ich jetzt nicht enttäuschen. Zwischendurch tat es mir total leid, dass das arme Mädel so lange auf der Strecke verbringen musste, nur weil ich mich nicht beeilen konnte.
Irgendwann waren dann auch die 42,2 km geschafft und ich hatte meinen mit Abstand langsamsten Marathon hinter mich gebracht.
Ich war im Ziel, immer noch erste Frau und mit 6 min Vorsprung auf die zweite.
Dieser Tag war für mich trotzdem eine gute Lektion:

Wenn ich es nicht schaffe, Spaß am Triathlon zu haben, wird es ein verdammt langer und zäher Tag.

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