Donnerstag, 6. August 2015

Manchmal ist Aufgeben eben doch eine Option...

Für manche mag -'lieber Krankenwagen als DNF (Did not finish)' gelten, für mich jedoch nicht. Doch ich greife vor.
Der OstseeMan, einer der schönsten, wenn nicht DIE schönste Langdistanz in Deutschland und ich mitten drin. Die neue Radstrecke wirkte verlockend, schön viele Kurven und bissige Anstiege, ständige Tempowechsel waren garantiert und der Anspruch nicht ohne. Ehrlich, ich hab mich darauf gefreut.

Los ging es jedoch erstmal mit dem Schwimmstart um Punkt 7 Uhr. Die Ostsee war kalt, a***kalt, 16 Grad. Zum Glück hatte ich am Vortag schon getestet, ob ich damit klar komme und in dem liebevoll als 'Waschmaschine' bezeichneten Menschenmassengewühl von Start bis Boje 1 kam auch wenig Kältegefühl auf.
Waschmaschine
Langsam zog sich das Feld der ca. 800 Schwimmer auseinander und ich suchte Füsse, bzw Wasserschatten, auf dem langen Weg zu Boje 2. Immer wieder fand ich jemanden zum Mitreisen, doch meist passte es dann eben nicht ganz und ich zog weiter. Eigentlich war das Schwimmen recht unspektakulär und machte sogar Spaß, zumindest immer dann, wenn ich meinen Rhythmus hatte. Okay, manchmal war ich mir nicht mehr sicher, ob meine Zehen noch Kontakt zum Fuss hatten, so kalt waren sie, aber das ist ja beim Schwimmen auch grundsätzlich erstmal zweitrangig. Die Sichtweite unter Wasser ist in diesem Teil der Ostsee recht hoch und so sah ich im letzten Moment noch die riesige Feuerqualle, die eine knappe Armlänge unter mir verweilte. Gerade noch rechtzeitig konnte ich meinen Armzug abbrechen und glitt, ohne Berührung über sie hinweg. Puuuh, das wäre schmerzhaft geworden. Schon bald waren die 3,8 km in der Ostsee vorbei und ich fühlte mich gut, kalt, aber zufrieden. Meine Uhr zeigte knapp 1:20 h und damit neue persönliche Bestzeit in der Ostsee. Jetzt allerdings forderte die Schwerkraft ihren Tribut und mein Kreislauf erklärte sich mit der Lageänderung von horizontal zu vertikal nicht einverstanden. So eierte ich im Schneckentempo den Strand hinauf, an Laufen war aufgrund der schmerzenden Achillessehne eh nicht zu denken. Was soll's, ich war zufrieden mit meiner Schwimmzeit, eigentlich hätte das Ganze hier schon enden können. Aber ich wollte nochmal auf die Radstrecke. Und was soll ich sagen, ich mag die Strecke. Okay, ohne die 'Fahrrad um die Kurve Träger', 'Panik-das-ist-ja-ne-Kurve-Vollbremser' und 'in-Abfahrten-nehme-ich-die-Beine-hoch' Kollegen wäre es noch lustiger gewesen, aber man kann ja nicht alles haben ;) Die ersten zwei Runden liefen super, dann allerdings fing meine Achillessehne, die seit Monaten schon immer wieder bei Laufen und zum Schluss sogar beim Gehen stark schmerzte, an zulamentieren und das war kein gutes Zeichen. Eigentlich hatte ich gehofft, dass ich auf jeden Fall bis zur Laufstrecke Ruhe davor haben würde, um dann zu entscheiden, ob es geht, oder eben nicht. Es war aber nur Wunschdenken und eigentlich wusste ich auch, dass das Laufen heute einfach nicht machbar sein würde.
bye, bye OstseeMan
Das Problem bei einer Langdistanz ist, es ist zum Großteil eben Kopfsache. Auch , wenn es physisch locker machbar ist, wenn die Psyche nicht mitspielt, heißt es Game over. Und so ging es mir. Anfang der 3. Runde (von 6) sagte mein Kopf 'Wieso machst du das?' und der Körper reagierte sofort, die Leistung sank ab. Mit halber Kraft fuhr ich die Runde zu ende, ohne eine Antwort zu finden. Eigentlich wollte ich dann Ende der 3. Runde schon aussteigen, doch verpasste ich die Abfahrt und ging auf die 4. Runde. Ich war total frustriert und verärgert über mich selbst. Bei einer kurzen Pause am Strassenrand konnte ich mich wieder sammeln. Ich stellte fest, dass ich mir nichts mehr beweisen musste, ich war niemandem Rechenschaft schuldig. Dass ich eine Langdistanz finishen kann, hatte ich schon 5 Mal bewiesen, davon 3 Mal beim OstseeMan. Wollte ich mich nun unter Schmerzen mit einer schlechten Zeit ins Ziel quälen? Mit eventuellen Folgeschäden an der Sehne? Und einem miesen Gefühl wegen der Zeit? Oder wollte ich hier und jetzt mit einem guten Gefühl, nach Spaß beim Schwimmen und Spaß auf der Radstrecken (zumindest auf 2 von den 4 gefahrenen Runden) verabschieden?
Ich entschied mich für den Ausstieg und es ging und geht mir verdammt gut damit!!!

Ganz lieben Dank an alle, die nach meinem Ausstieg ganz liebe Worte für mich hatten und mich wieder aufgebaut haben. Danke an Sina und Heiner. Danke an Silke und Heiko, dass ich bei euch 'abhängen' durfte. Danke an Lena fürs in Arm nehmen. Und danke an alle, die ich hier nicht aufzählen konnte.

Jetzt werde ich meiner Achillessehne erstmal die Zeit zur Heilung geben, die sie braucht und wenn sie erstmal wieder 'normalen Umfang' erreicht hat und schmerzfrei unter Belastung ist, dann können neue Pläne geschmiedet werden. Bis dahin heißt es: only swim & bike

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